Willkommen im Tierheim des Tierschutzvereins Brandenburg an der Havel e.V.
Willkommen im Tierheim des Tierschutzvereins Brandenburg an der Havel e.V.

Wenn Freud und Leid dicht beieinander liegen

Am 03.05.2011 durfte ich unseren süßen Rocco nach seiner Bein-OP endlich aus der Tierklinik in Potsdam abholen.

 

Ich fuhr jedoch mit einem flauen Gefühl im Magen dort hin, denn ich hatte die kleine Duffy im Gepäck.
Am 29.04.2011 wurde bei der freundlichen Hündin eine Gaumenspalte entdeckt, riesig groß schien sie sich bis in den Rachen zu ziehen. Sowohl ich, als auch die Tierärztin waren baff - Gaumenspalte bei einem erwachsenen Hund ist extrem selten, denn die Tiere sterben normalerweise im Welpenalter an der Folgen. Eine Gaumenspalte bedeutet, dass der Gaumen offen ist und meist - wie auch bei Duffy - zieht sich der Spalt bis in den Hals, wo Speise- und Luftröhre normalerweise getrennt voneinander liegen.

 

Duffy hatte im Tierheim stetig an Gewicht abgenommen, hatte zum Schluss - trotz offensichtlicher Gesundheit, sie sprang, spielte und war fröhlich - das Fressen fast eingestellt. Wir probierten verschiedene Futtersorten, blieben beim Fressen dabei, versuchten sie aus der Hand zu füttern - vergeblich. Es schien, als wolle Duffy fressen, könne aber nicht. Schließlich entdeckten wir die Gaumenspalte.

 

Ich trug den Fall natürlich im Vorstand vor und für alle war klar: der junge Hund muss operiert werden. Zwar sagte uns der gesunde Menschenverstand und auch unsere Tierärztin, dass kaum Hoffnung besteht, aber wir wollten Duffy nicht aufgeben.

 

Der Arzt, der sich die fröhliche Hündin in Potsdam anschaute, war seinerseits geschockt über die Ausmaße dieser Gaumenspalte. Duffy wurde geröntgt, in der Lunge befanden sich bereits Futterreste, das bedeutete bei jeder Futteraufnahme hatte Duffy Schmerzen in Speiseröhre und Lunge, weswegen sie irgendwann einfach nicht mehr fressen wollte. Der behandelnde Arzt riet dazu, Duffy zu erlösen.

 

So fuhr ich mit Rocco, dem man hatte helfen können - aber ohne Duffy wieder zurück ins Tierheim.

 

Oft werde ich gefragt, wie man diesen Job hier nur aushält. Meist zucke ich einfach mit den Schultern und sage, "Es gibt Gutes und Schlechtes. Irgendjemand muss doch die Verantwortung für die Tiere übernehmen, die sonst niemanden haben."

Auch diesmal war wieder ich diejenige, die ein Tier auf seinem letzten Weg begleitete. Duffys Herrchen oder Frauchen hat es sich sehr leicht gemacht, setzte sie im Februar einfach aus, anstatt selbst mit ihr zum Arzt zu gehen und sie erlösen zu lassen. Ich bin mir sicher, er/sie hat gewusst, was Duffy hatte ...

 

Duffy, wir werden dich nie vergessen, kleine Maus!!

 

 

Menschen werden sich nie ändern. Menschen werden sich immer die leichtesten Wege suchen. Der Job eines Tierpflegers ist alles andere als leicht.
Ich will einfach, dass diejenigen da draußen, die schnell und oft kritisieren sich einmal vor Augen führen, dass wir normale Menschen sind, die ihr Bestes - und oft auch Letztes - geben, nur um die Fehler anderer Menschen wieder gut zu machen.

 

Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um den Tieren zu helfen.

 

Wer das anders sieht, ist herzlich eingeladen, dieses Tierheim für eine Woche zu übernehmen, schwerwiegende Entscheidungen zu treffen und zu versuchen, sich von schweren Tierschicksalen nicht aus der Bahn werfen zu lassen.
Neben aller Emotionalität gilt es außerdem, das Tierheim am laufen zu halten, den Gesundheitszustand von 200 Tieren (oder mehr!) stets zu überblicken, Tiere aufzunehmen, zu vermitteln, die Internetseite zu aktualisieren (...)  und natürlich alles Bürokratische zeitnah zu erledigen - und am Tor bitte das Lächeln nicht vergessen!


Wir nehmen gern Kritik auf und versuchen sie anzunehmen, nur leider wird diese häufig nicht persönlich geäußert. Wie gern würden wir auch unsere Sicht der Dinge schildern, nur wird uns hierzu meist keine Gelegenheit gegeben, weil der Mensch auch hier zu bequem ist und sich den Weg des geringsten Widerstandes sucht.
Kritik sollte immer auf sachlichen Argumenten beruhen, woher will man diese aber haben, wenn man das Tierheim nur einmal betreten hat und sich nicht die Mühe macht, auch einmal hinter die Kulissen zu schauen.


Anita Gommert

Letzte Aktualisierung der Homepage war am:

21.08.2017

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