Bitte stellen Sie sich hinten an!

Warum ein Tierheim kein Supermarkt ist

Immer wieder und erfreulicherweise erleben wir an unseren Vermittlungstagen (mittwochs von 13:00 bis 16:00 Uhr und samstags von 10:00 bis 16:00 Uhr) einen größeren Menschenansturm. Dies ist für uns eigentlich ein Zeichen dafür, dass das Tierheim eine sehr gute Arbeit leistet… EIGENTLICH…


Dass wir uns Zeit für jeden Interessenten nehmen, um individuell auf ihn eingehen zu können, ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wenn man so will, gehört dies nicht nur zum guten Ton sondern auch zu unserem Service. Dies stößt nur leider nicht immer auf Gegenliebe. Aufgrund unserer ausführlichen Beratung, hier sind durchaus 20-30 Minuten veranschlagt, kommt es mitunter zu längeren Wartezeiten.

 

Zum Verständnis: Der Interessent kommt ins Tierheim und erzählt uns zunächst einmal von seinen Vorstellungen und Lebensbedingungen, im nächsten Schritt werden dann aus unserer Sicht passende Tiere vorgestellt. Denn man staune (!), nicht jedes Tier passt zu jedem Menschen.
Sowohl bei Hunden als auch bei Katzen wird anhand der getätigten Angaben eine Vorauswahl getroffen, erst dann werden die Tiere persönlich vorgestellt. Im Anschluss daran, müssen Hundeinteressenten mindestens 3x zum Gassigehen bei uns erscheinen. So können Hund und Interessenten sich gegenseitig kennenlernen und die Tierpfleger erkennen, ob alles passt. D. h. es wird festgestellt, ob alle Beteiligten zufrieden sind und ob der Mensch mit dem Hund umgehen kann. Ggf. kann an dieser Stelle korrigierend, unterstützend und beratend eingegriffen werden. Auch dies gehört zu unserem Rund-um-Sorglospaket.
Interessenten für Katzen oder Kleintiere müssen ihren Schützling zwar nicht 3x besuchen, durchlaufen aber ebenso ein intensives Gespräch. Dies beinhaltet die Beantwortung sämtlicher Fragen, die Darlegung der Krankheitsgeschichte des entsprechenden Tieres, Informationen zur Haltung, gesundheitlichen Versorgung, Erläuterung der Vertragsbedingungen und und und. Unser Ziel und Ansporn ist es schließlich, die Rückgabequoten auf ein Minimum zu begrenzen.

Erst wenn all diese Punkte durchlaufen und abgehakt sind, wird ein Schutzvertrag abgeschlossen und das Tier zieht in das neue und hoffentlich endgültige Zuhause.
Die Tatsache, dass die Tiervermittlung derzeit ausschließlich durch die Tierheimleiterin wahrgenommen wird, führt oftmals zu Nachfragen. Wer sich die Personalsituation eines Tierheimes jedoch einmal genauer ansieht, wird schnell merken, dass die personellen Kapazitätsgrenzen mehr als erschöpfend sind. So beschäftigt das Tierheim Brandenburg gerade einmal vier Festangestellte einschließlich Tierheimleiterin, zwei Kombilöhner, sechs 100 €-Kräfte sowie zwei regelmäßige ehrenamtliche Helfer.
Diese Hand voll Personal kümmert sich im Zweischichtsystem regelmäßig um durchschnittlich 80 Hunde, 100 Katzen sowie 10 Kleintiere (Meerschweinchen, Kaninchen, Vögel etc.).
Das heißt im Klartext, Putzen, Füttern, medizinische Versorgung, sonstige Pflege, Telefondienst, Tieraufnahme sowie Büroarbeiten im Akkord und über normale Arbeitszeiten hinaus, auch während der Vermittlungszeiten!

 

Wir können mit Stolz behaupten, dass unsere Mitarbeiter/innen für ihre Arbeit und vor allem die Tiere leben. Ihnen allen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Liebe Tierheimbesucher seien Sie gewiss, dass wir uns über Ihren Besuch freuen, aber bitte geben Sie Ihr Interesse an unseren Tieren nicht an der Eingangstür ab. Bitte nehmen Sie sich die Zeit, die eine verantwortungsvolle Tiervermittlung mit sich bringt und haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns eben nicht in einem Supermarkt befinden.
Wir arbeiten nicht mit Slogans wie „Wer länger als 10 min wartet, bekommt einen 5 €-Einkaufsgutschein“.

In der Praxis werden wir häufig mit der folgenden Frage konfrontiert: Warum kann ich mir die Tiere nicht schon einmal selbstständig anschauen?

Ganz einfach, stellen Sie sich einmal vor, jeder Interessent läuft an den Vermittlungstagen im Hundehaus, an den Zwingeranlagen und im Haupthaus auf und ab, dies würde erheblichen Stress für die Tiere mit sich bringen! Darüber hinaus bestehen versicherungstechnische Probleme, so kann es z. B. zu Beißunfällen kommen, weil Interessent xy die Anweisung „nicht durchs Gitter zu fassen“ mal wieder nicht für wichtig erachtete. Analog Fütterungsverbot. Ferner müssten wir Ihnen unterstellen, dass Sie ihr Tier offenbar ausschließlich nach der Optik aussuchen.
Tiere zeigen in Zwingern, geschlossenen Räumen und unter Anspannung (Fremde Personen, hohe Fluktuation) oftmals ein ganz anderes Verhalten als gewohnt.

 

Manche Interessenten vertreten die Auffassung, dass sie unsere Tiere besser kennen als wir. Aussagen wie „ich hatte schon immer Hunde/Katzen“, „ich habe das schon immer so gemacht“, „Sie brauchen mir nichts erzählen“ sind keine Seltenheit. Doch versetzen Sie sich einmal in die umgekehrte Situation, wären Sie der Meinung, dass ein Dritter Ihr Tier besser kennt als Sie selbst?
Und was hat Sie dazu veranlasst, Ihren neuen vierbeinigen Hausgenossen aus dem Tierheim zu holen?
Tun Ihnen die Tiere vielleicht leid oder wollten Sie einfach nur eine gute Tat vollbringen? Diese Einstellung ehrt Sie sehr, doch bitte bringen Sie auch den Tierheimangestellten entsprechendes Vertrauen entgegen.
Unsere Tierheimbewohner sind auf unterschiedliche Weise zu uns gekommen, haben mitunter schlimme Schicksale hinter sich gebracht, wurden liebevoll aufgepäppelt, um zahlreiche Tierleben musste gekämpft werden und so mancher Kampf wurde verloren. Wir kennen unsere Tiere und ihre Schicksale, gerade deshalb ist es uns so wichtig, sie in GEEIGNETE Hände zu vermitteln.
Hierbei zählt weder die Größe der Geldbörse, noch die Nase, sondern einzig und allein die Motivation die Tiere zukünftig vor einem Tierheimschicksal oder Schlimmeren zu bewahren.
Unsere Marketingstrategie setzt daher auf ausführliche Beschreibung der Tiere, Abwesenheit von ZEITDRUCK! und Beratung.
Wir verstehen uns sehr wohl als Dienstleister, ABER an erster Stelle als Dienstleister für unsere Tiere! Und deshalb heißt unser Motto:


„Das passende Tier zum passenden Menschen“.

 

Claudia Vogel

(Vorstand)